Das sollte man über die Schuldfrage und 50/50-Regelung nach einem Unfall wissen

 

Jeden Tag passieren Unfälle im Straßenverkehr. Im günstigsten Fall sind nur Blechschäden zu
verzeichnen, im schlechtesten Fall kommen Personenschaden dazu. Klar ist auch, dass niemand
freiwillig einen Unfall verursacht, da es im Anschluss immer mit einem gewissen Aufwand verbunden
ist. Außerdem erschreckt man sich und es kann je nach Ausgang zu einer Höherstufung bei der
Versicherung führen. Es folgt zum Beispiel ein höherer Monatsbetrag oder ein angepasster
Schadenfreiheitsrabatt. Entscheidend dafür ist, wer die Schuld am Zusammenstoß trägt. Ist man
selbst zur Gänze unschuldig, dann trifft diese Situation nicht ein und der entstandene Schaden wird
von der gegnerischen Versicherung übernommen. Doch wie wird die Schuldfrage geklärt, was
passiert, wenn keine eindeutige Schuld feststellbar ist und was hat es in Bezug darauf mit der 50/50-
Regelung auf sich?

Als Ergänzung sei erwähnt, dass jeder Pkw beziehungsweise dessen Halter über eine Kfz-
Haftpflichtversicherung verfügen muss. Diese verhindert, dass man bei einem unschuldigen Unfall
auf seinem Schaden sitzen bleibt. Der Schaden des Unfallverursachers ist allerdings nicht gedeckt,
dafür wäre eine Teil- oder Vollkasko notwendig.

 

Darum hat die Schuldfrage so einen hohen Stellenwert

Versicherungen wollen grundsätzlich so wenig wie möglich ausgeben. Dieser Aspekt spielt vor allem
bei Autounfällen eine wichtige Rolle, denn bei einer Haftpflichtversicherung muss das jeweilige
Unternehmen nur dann zahlen, wenn ihr Kunde tatsächlich schuld ist. Ist es nicht der Fall, dann muss
kein Cent ausgegeben werden. Aus diesem Grund beharren Versicherungen auf eine eindeutig
geklärte Schuldfrage.

In der Regel ist es außerdem so, dass bei ungeklärter Schuldfrage vorerst nichts gezahlt wird (an den
Unfallgegner). Stattdessen geht es zuerst darum, eine Antwort zu finden. Und zwar anhand von
Fakten, Tatsachen und Gutachten. Erst wenn dieser Fall eintritt, wird die Versicherung zahlen. Ist die
Schuld von Anfang an eindeutig, verläuft die Schadensregulierung meist ohne Probleme und
reibungslos ab.

 

 

Wie wird eine Schuldfrage überhaupt geklärt?

Viele sind der Meinung, dass bei jedem Unfall die Polizei kommen muss und diese die Schuldfrage
vor Ort klärt. Das stimmt aber nicht, denn die Ordnungshüter nehmen den Zusammenstoß lediglich
auf und protokollieren ihn. Bei größeren Schäden macht das auch Sinn, da die Polizei darin geschult
ist und alle wichtigen Details vermerkt. Bei kleineren Blechschäden können die Daten zwischen den
Beteiligten auch ohne Beamten ausgetauscht werden.

Nach einem Unfall informiert man seine Versicherung und diese schaut sich den Fall an. Hat die
Polizei den Vorfall aufgenommen, dann sollte das Protokoll direkt mitgegeben werden. Kann die
Schuldfrage anhand der vorliegenden Daten geklärt werden, dann sind keine weiteren Maßnahmen
erforderlich und die Versicherung muss ihren Verpflichtungen nachkommen. Das heißt: Sie muss
dem Gegner, der unschuldig ist, den Schaden am Auto bezahlen.

 

Diese Maßnahmen erleichtern die Schuldfrage

Als Unfallbeteiligter ist man im ersten Moment geschockt. Das ist freilich nicht immer so, sondern

kommt auf das Ausmaß und auf den Typ an. Ist ein Unfall „harmlos“ abgelaufen, dann können die
Betroffenen einen wichtigen Teil zur Klärung der Schuldfrage beitragen. Zum Beispiel sollten die
Standorte der Fahrzeuge markiert werden (beispielsweise mit einer Kreide), sofern diese vor einer
Unfallaufnahme entfernt werden. Das ist unter anderem dann notwendig, wenn nur so weitere
Unfälle vermieden werden können.

Des Weiteren sind Fotos unverzichtbar (lieber zu viele als zu wenige) und es sollte mit Kooperation
des Unfallgegners ein Unfallbericht ausgefüllt werden. Wahrheitsgemäße und detaillierte Angaben
stehen logischerweise an erster Stelle. Auf Schuldzuweisungen ist wiederum zu verzichten.

Im Optimalfall wird das Ganze durch eine Unfallskizze ergänzt. Diese muss auch nicht besonders
schön sein, sondern vorrangig den Ablauf widerspiegeln.

Wichtig: Auf gar keinen Fall ein Schuldanerkenntnis abgeben und auch keine vorzeitige Reparatur in
Eigenregie durchführen. Es kann nämlich sein, dass sich ein Gutachter, der von einer der beteiligten
Versicherungen beauftragt wird, den Schaden anschauen möchte. Erst wenn grünes Licht gegeben
wird, steht einer Reparatur nichts im Weg.

 

Was passiert, wenn eine Schuldfrage nicht geklärt werden kann?
Liegen der Versicherungen Daten wie Unfall- und Polizeibericht vor, dann lässt sich in vielen Fällen
die Schuldfrage problemlos klären. Ist es nicht so, dann wird im nächsten Schritt ein Sachverständiger
beauftragt. Dazu sind aber nicht nur die Versicherungen berechtigt, sondern als Kfz-Besitzer kann
man selbst auf einen Gutachter zurückgreifen.

Im besten Fall steht jetzt der Schuldige fest und es kann ausbezahlt werden. Lassen auch Gutachten
keine eindeutige Schuld feststellen, dann kommt es im Regelfall zu einem Vergleich zwischen den
Versicherungen. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass jedem eine Schuld von 50 Prozent
zugesprochen wird. Die Versicherungen müssen nun beide zahlen, allerdings nur die Hälfte der
Reparaturkosten. Der eigene Versicherungsdienstleister übernimmt wie üblich die Kosten der
gegnerischen Partei.

Ist selbst damit kein Ergebnis zu erzielen, dann geht es in der letzten Instanz vor Gericht. Hier wird
der Zusammenstoß noch einmal aufgerollt und mit allen Mitteln analysiert. Am Ende entscheidet ein
Richter über die Schuldfrage.

 

Das hat es mit der 50/50-Regelung auf sich
Autounfälle sind stets individuell. Es kann also sein, dass ein Zusammenstoß auf die Schuld beider
Betroffenen geht. Für die Versicherungen ist in so einem Fall klar, dass sie den Schaden des Gegners
nicht im vollen Umfang übernehmen. Stattdessen wird geklärt, welcher Fahrer zu wie viel Prozent
schuld ist. Dafür gibt es logischerweise keine pauschale Antwort, denn es kommt auf die Umstände
an. Wurden beispielsweise von beiden Parteien die Verkehrsregeln missachtet, dann entscheidet die
Schwere des Unfalls über die Verteilung.

Beispiel: Ist man auf einer Landstraße unterwegs, fährt mit 40 km/h überhöhter Geschwindigkeit und
kommt es bei einer Kreuzung zu einem Unfall, weil ein anderer Fahrer das Vorfahrtsrecht ignoriert
hat, dann wird man selbst mit einer Teilschuld von 40 Prozent belangt. Der Unfallgegner darf jetzt
von ihrer Versicherung eine Zahlung von 40 Prozent seines Gesamtschadens anfordern. Man selbst
kann natürlich auch die gegnerische Versicherung zur Verantwortung ziehen, allerdings muss diese
„nur“ 60 Prozent vom eigenen Schaden begleichen. Wie bereits erwähnt, ist die Schuldfrage daher
sehr wichtig für Versicherungen.

Bei der 50/50-Regelung ist es nun so, dass die Schuld beider Unfallbeteiligten auf jeweils 50 Prozent
aufgeteilt wird. Das passiert natürlich nicht nach Lust und Laune, sondern muss begründet sein. Ein
Klassiker sind Parkplatzunfälle, bei denen beide Lenker rückwärts gefahren sind. Hier ist die 50/50-

Regelung Standard. Diese kommt auch dann häufig zum Einsatz, wenn die Schuldfrage nicht
eindeutig geklärt werden kann und die Versicherungen untereinander einen Vergleich anstreben.

 

Einen Zusammenstoß mit beidseitiger Schuld ohne Versicherung begleichen?
Oft ist als Tipp zu lesen, dass ein Unfall dieser Art ohne Versicherung beglichen werden sollte. Das ist
vom Gesetz her völlig legitim, man muss aber definitiv genau hinschauen. Bei geringen Schäden ist
die Option durchaus sinnvoll, allerdings ist die Einschätzung von Schäden für Laien eine große
Herausforderung. Eine verzogene Karosserie ist beispielsweise nur ganz schwer zu erkennen und
treibt die Reparaturkosten rapide in die Höhe. Es ist daher wichtig, dass der Schaden des
Unfallgegners vorher begutachtet wird. Erst wenn die genauen Kosten bekannt sind, ist eine
Einwilligung zur Schadensregulierung ohne Versicherung zu empfehlen.

Das Ganze wird natürlich aus dem Grund gemacht, weil die Versicherung bei einem verschuldeten
Unfall Maßnahmen ergreift. Zum Beispiel wird die Stufe und damit der monatliche Beitrag erhöht. Es
kommt deshalb sehr stark auf den Schaden an, ob die Abwicklung mit oder ohne Versicherung
erfolgen sollte.